Der Herbst sieht für uns oft wunderschön aus: frische Morgenstunden, warme Herbstfarben und vielleicht sogar noch ein paar sonnige Tage. Doch für Pferde ist diese Jahreszeit deutlich anspruchsvoller. Das Wetter schlägt schnell um, das Gras verändert seine Qualität und ihr Körper schaltet bereits auf Wintermodus. Dadurch können Pferde, die normalerweise stabil sind, plötzlich empfindlicher reagieren, anders abkoten, schneller müde werden oder mehr Spannung zeigen.
Woher kommt das? Und vor allem: Was kannst du tun, um deinem Pferd durch diese Herbstperiode zu helfen? In diesem Blog erfährst du, was genau im Körper passiert, warum viele Pferde in dieser Zeit aus dem Gleichgewicht geraten und vor allem: wie du erkennen kannst, dass dein Pferd Unterstützung braucht.
Warum der Herbst so großen Einfluss auf Pferde hat
Der Herbst ist die wechselhafteste Jahreszeit, die wir kennen. Temperatur, Luftfeuchtigkeit und Wind können sich innerhalb einer Stunde ändern. Pferde reagieren darauf viel stärker als Menschen, weil ihr Körper empfindlicher auf diese Bedingungen reagiert.
Körperlich passiert alles gleichzeitig.
Der Aufbau des Winterfells kostet viel Energie. Das Immunsystem muss mit Kälte, Wind, Feuchtigkeit und mehr Pilzsporen in Ställen, die häufiger geschlossen bleiben, umgehen. Das Gras wird kürzer und weniger nahrhaft, wodurch Pferde näher am Boden fressen und schneller Sand aufnehmen. Der Dickdarm muss dadurch zusätzliche Arbeit leisten, was zu wechselndem Kot, Blähungen oder Bauchbeschwerden führen kann. Und da viele Pferde weniger trinken, sobald es kälter wird, steigt auch das Risiko von Verstopfung.
Auch mental hat dies Auswirkungen.
Viele Pferde werden im Herbst empfindlicher oder schreckhafter. Das ist kein schwieriges Verhalten, sondern eine logische Folge davon, wie ihr Körper Reize verarbeitet. Wenn Darm, Atemwege oder Schleimhäute unter Druck stehen, reagiert ein Pferd schneller auf Geräusche, Bewegungen oder wechselnde Situationen.
Kurz gesagt: körperliche Belastung und mentale Empfindlichkeit verstärken sich in dieser Jahreszeit gegenseitig.
Die chinesische Sichtweise: Warum gerade Lunge und Darm anfälliger sind
In der traditionellen chinesischen Medizin ist jede Jahreszeit mit einem Element verbunden, und das bestimmt, welche Körperprozesse besondere Aufmerksamkeit erfordern. Der Herbst gehört zum Metallelement, und dieses Element ist mit den Lungen, dem Dickdarm, den Schleimhäuten und der Emotion des Loslassens verbunden. Damit wirkt sich der Herbst direkt auf das physische und mentale Gleichgewicht deines Pferdes aus. Das mag vielleicht etwas esoterisch klingen, aber man sieht es praktisch darin, wie ein Pferd reagiert.
Wie das im Alltag aussieht:
· Im Herbst werden die Lungen durch Kälte, Feuchtigkeit und Pilzsporen in der Luft besonders herausgefordert. Pferde sind anfälliger für Husten, Schleimbildung oder eine etwas schwerere Atmung, besonders in nassen oder kalten Perioden.
· Der Dickdarm wird durch die Veränderung des Grases, eine erhöhte Sandaufnahme und Temperaturschwankungen stärker beansprucht. Dadurch treten häufiger wechselnder Kot, Blähungen oder leichte Bauchbeschwerden auf.
· Die Schleimhäute (von der Nase bis zum Darm) können schneller gereizt oder trockener werden, was die Abwehrkräfte spürbar senkt.
· Und wenn diese Systeme unter Druck stehen, verliert das Pferd einen Teil seines natürlichen „Reizfilters“. Geräusche, Bewegungen oder unerwartete Situationen kommen stärker an, wodurch Pferde empfindlicher reagieren, schneller erschrecken oder sich weniger gut entspannen können.
Ruhe und Stabilität beginnen im Darm
Fütterung ist im Herbst oft die erste und wichtigste Möglichkeit, deinem Pferd zu helfen. Nicht indem man einfach mehr Kraftfutter gibt, sondern indem man cleverer füttert und besser auf das eingeht, was Darm und Schleimhäute in dieser Jahreszeit benötigen. Damit kannst du in dieser Zeit mit relativ einfachen Anpassungen schon viel Ruhe schaffen.
Eine dieser Anpassungen ist das Hinzufügen von extra Ballaststoffen. Grüner Haferbruch ist leicht verdaulich, reich an Ballaststoffen und bietet eine ruhige, gleichmäßige Unterstützung, ohne das Pferd heiß oder scharf zu machen. Esparsettebruch ist ebenfalls eine wertvolle Ergänzung. Die natürlichen Tannine unterstützen die Darmwand, tragen zu einer gesunden Darmflora bei und helfen zudem, Parasiten auf milde, natürliche Weise abzuwehren.
Zusätzlich profitieren Pferde im Herbst besonders gut von Omega-3-Fettsäuren aus Samen und Kernen. Denk an Leinsamen, Kürbiskerne oder Hanfsamen. Pferde verdauen diese pflanzlichen Quellen viel besser als Öl, wodurch sie die Omega-3-Fettsäuren tatsächlich aufnehmen können. Diese Fettsäuren tragen zu einem gesunden Fell, stärkeren Schleimhäuten, besserer Abwehrkraft und einem ruhigeren Nervensystem bei, etwas, das man im Herbst oft direkt im Verhalten wiederfindet.
Auch die Herbstfrüchte aus der Natur passen sehr gut in diese Jahreszeit: Wilde Beeren unterstützen die Schleimhäute und liefern starke Antioxidantien, während Hagebutten eine natürliche und mild wirkende Form von Vitamin C enthalten, die die Abwehrkräfte stärkt.
Für Pferde, die im Herbst besonders empfindlich sind, kann man zusätzlich weiche, schleimhautpflegende Kräuter wie Malve und Spitzwegerich in Betracht ziehen. Es ist auch wichtig, regelmäßig eine Flohsamenschalen-Kur zu geben, um den Darm bei der Sandabfuhr zu unterstützen. Schließlich passen Kräuter, die die Atemwege unterstützen, wie Thymian gut zu den saisonalen Herausforderungen, da sie dazu beitragen, die Atmung freier und ruhiger zu halten.
Maßgeschneiderte Fütterungsempfehlung
Obwohl man mit saisonaler Fütterung schon viel erreichen kann, reichen allgemeine Ratschläge nicht für jedes Pferd aus. Manche Pferde bleiben empfindlich, koten weiterhin wechselnd ab oder reagieren stärker auf Reize, selbst wenn alles „in Ordnung“ zu sein scheint. In solchen Fällen kann ein persönlicher Fütterungsplan einen großen Unterschied machen.
Bei Horseganic arbeite ich – Lyan van Straten – mit therapeutischer Fütterungsberatung: Futter, das nicht nur satt macht, sondern dem Körper Schritt für Schritt hilft, sich von innen heraus zu erholen und zu stärken. Jedes Pferd reagiert anders auf Kälte, Stress, Graswechsel und Training. Deshalb betrachte ich immer das Gesamtbild: Verhalten, Kot, Energieniveau, Muskelspannung, das aktuelle Futter und den Einfluss der Jahreszeit.
Mit gezielten Anpassungen können oft große Veränderungen erzielt werden. Denk an mehr Ruhe im Darm, weniger Anspannung im Körper, ein gleichmäßigeres Energieniveau und ein Pferd, das Reize besser verarbeiten kann. Der Herbst muss also keine Zeit sein, in der sich dein Pferd einfach durchkämpfen muss. Mit der richtigen Unterstützung kann es eine Zeit werden, in der dein Pferd stärker, stabiler und komfortabler in den Winter geht.
Möchtest du auch Unterstützung bei der Fütterung deines Pferdes? Alle Möglichkeiten findest du unter: Home - HorseGanic